An der Basel HealthExpo 2026 führe ich ein soziales Experiment durch.

Hau Dir den Termin SA 30. Mai’26 in die Agenda und komm nach Basel!
Du darfst dann nämlich ungeniert wildfremde Leute anlächeln (ohne dabei schräg angeschaut zu werden) und wirst selber auch mit dem einen oder anderen Lächeln besonnt (ohne etwas zu schulden).
Die Aktion steht unter dem Patronat des Humorforschers Prof. Dr. Willibald Ruch.

Es begann mit einem hoppelnden Kampfhund.

Ich stand auf dem Vorplatz des Bahnhofs Bern, kaute an einem Nussgipfel und hatte die Musse und Gelegenheit, einem Bull Terrier beim Kacken zuzusehen.
Der Bahnhofvorplatz ist nicht der Ort wo Hunde kacken dürfen, auch nicht Kampfhunde, und so zerrte das verärgerte Herrchen (genau genommen ein Schrank von einem Herrchen) an der Leine, um das wohlig krampfende Tier zu den Pflanzentöpfen des nächstgelegenen Restaurants zu befördern.

Doch ein Hund kann den Defäkationsprozess nicht einfach ausknipsen. Wenn’s flutscht, dann flutscht’s. Er kann nicht anders, als die würdelose, krampfgekrümmte Scheiss-Haltung beizubehalten – auch wenn er gezwungen wird sich fortzubewegen.

Der Bull Terrier hoppelte wie ein Hase! Hoppelte und kackte.
Ich lachte laut an meinem Nussgipfel vorbei.

Ein paar Minuten später holte mich die Szene ein und ich musste sehr breit lächeln. Genau in diesem Moment schaute mich eine eilige, businesskostümierte Dame an.
Was in der Sekunde danach geschah, setzte den Impuls für die Aktion „Lächeln und angelächelt werden“.
In dieser Sekunde wandte die Frau nämlich kurz den Blick ab, schaute mich nochmals an, runzelte ganz leicht die Stirn – und war auch schon an mir vorbei gestöckelt.
Ganz offensichtlich hatte sie mein Lächeln persönlich genommen, auf sich bezogen und nicht einordnen können.

„Was lächelt mich der an?“ Was will der von mir?“ «Kenn ich den?“ hat sie vermutlich gedacht.
(Dass ein kackender Bull Terrier der Anlass zu dieser Freundlichkeit war, hatte sie wohl kaum auf dem Schirm.)

Mein Interesse war geweckt …

… und ich begann, mich diesem Phänomen bewusst auszusetzen und Leute grundlos anzulächeln. Meist in Serie.
Ich achtete darauf, mich dabei nicht von Gefühlen von Sympathie / Antipathie leiten zu lassen; egal wer da kam – ich lächelte.

Das war gar nicht so einfach. Zu Beginn war immer ein kleiner innerer Schubs nötig. Wichtig: Einfach die Mundwinkel Richtung Ohren zu ziehen – das funktionierte nicht. Ich musste dabei zu einem Mindestmass an tatsächlicher Freundlichkeit finden, wurde dafür aber mit einigen vergnüglichen Erlebnissen belohnt.

Ein Lächeln, und jeder Kopf startet seinen eigenen Film

Folgende Wirkungen beobachtete ich bei den Angelächelten – ich versuche sie nach Häufigkeit zu ordnen (die Häufigsten zuoberst):

• Der Blick geht schnell weg und kehrt nicht wieder, das Gesicht unbewegt
• Der Blick geht schnell weg, kehrt wieder, das Gesicht bleibt unbewegt
• Der Blick geht schnell weg, kehrt nicht wieder und ich lese einen leisen Unmut im Gesicht
• Der Blick bleibt, das Gesicht unbewegt
• Der Blick geht schnell weg, kehrt nicht wieder, das Gesicht aber leicht «vernettet»
• Der Blick geht schnell weg, kehrt wieder, das Gesicht verrät Irritation (zB Stirnrunzeln)
• Der Blick bleibt, im Gesicht zeigt sich Irritation
• Der Blick geht schnell weg, kehrt wieder, das Lächeln wird erwidert
• Der Blick bleibt, das Lächeln wird erwidert

Dass das Lächeln direkt erwidert wurde, kam also am seltensten vor. Ob das an meiner Erscheinung liegt? Würden andere Lächler, andere Lächlerinnen andere Reaktionen hervorrufen? Ich vermute es.
Vermuten ist lauwarm, ich möchte es genauer wissen

Ein Experiment soll Erkenntnisse liefern.

Was, wenn ganz viele Leute sich der Erfahrung aussetzen und dann ihre Erkenntnisse zusammentragen?

Und wie fühlt es sich wohl an, wenn diese vielen Leute innerhalb einer grossen Menschenmenge vereinbaren, dass sie a) angelächelt werden dürfen und b) ab und zu jemand grundlos anlächeln?

Macht das Freude? Wie verändert sich die Stimmung individuell und kollektiv? Verändert sich überhaupt was?

Mir fiel ein, dass ich zugesagt hatte, an der HealthExpo Basel 2026 als Aussteller teilzunehmen und mit einem kleinen Stand für meine Dienste zu werben.
Dort würde sich doch die unkomplizierte und womöglich amüsante Möglichkeit bietet, die «Anlächlerei auf Vereinbarung“ zu testen!

Experimentierfreudige Messebesucher:innen müssten sich lediglich markieren. Ein gut sichtbarer Button wäre einerseits die „License to Smile“ und andrerseits das Signal, dass keine Einwände gegen das Angelächeltwerden bestehen.

Die vielen Erfahrungen, die an diesem Tag gemacht werden, würde ich sammeln und auswerten wollen: Hierzu würde ich eine ultrakurze online-Umfrage einrichten, wo die Teilnehmenden nach dem Messebesuch drei vier Aspekte des Experiments bewerten können.

Realitäts-Check

Die Idee begeisterte mich. So sehr, dass ich umgehend mit der Messeorganisation Kontakt aufnahm um deren Aufgeschlossenheit zu prüfen.
In Alex Huser fand ich einen sehr angenehmen Ansprechpartner, er gab sein Okay schon nach der ersten knappen Schilderung meines Vorhabens. Go!

Dann schien es mir wichtig, mich in meiner Euphorie einer unvoreingenommenen Fachperson zu stellen.
Prof. Dr. Willibald Ruch ist so eine Fachperson. Er habilitierte 1991 an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema Die Emotion Erheiterung: Ausdrucksformen und Bedingungen. Seit 35 Jahren ist er forschend mit dem Thema Humor unterwegs und steht in hervorragendem Ruf.

Ich freute mich sehr, dass er meine Schwärmerei nachvollziehen konnte und die Idee gut genug fand, um das Vorhaben mit Beratung und Textbeiträgen zu unterstützen.

„Die psychologische Forschung zeigt:
Ein grundloses Lächeln – also ein Lächeln ohne erkennbaren Anlass oder Beziehung – kann bei Erwachsenen Irritation auslösen.
Deshalb ist das „Lächeln auf Vereinbarung“ ein spannendes soziales Experiment.
Wenn die Unsicherheit durch ein sichtbares, gegenseitiges Einverständnis reduziert wird, kann sich zeigen, wie stark positive soziale Signale wirken, wenn sie nicht mehr erklärt oder verteidigt werden müssen.
Das Experiment lädt dazu ein, die feinen Mechanismen sozialer Wahrnehmung bewusst zu erleben – und vielleicht neu zu bewerten, wie viel Freundlichkeit wir einander im Alltag zutrauen.“          Prof. Willibald Ruch

„Einander Freundlichkeit zutrauen.“ Was für ein Wurf!

Ein Lächeln kostet nichts – sagt man

Eine breit angelegte Lächel-Aktion an einer Messe aber schon.

Es müssen viele Menschen erreicht werden. Dazu braucht’s Printmaterial (z.B. diesen wunderschönen, informativen Flyer), Banner, SocialMedia-Posts, Helfer:innen und und. Das nötige Geld aufzutreiben war also der nächste Schritt.

Unnötig, hier auf die Sponsoren-Odyssee einzugehen. Wichtig ist, dass mir von der Walter Pfister Stiftung das erhoffte Wohlwollen entgegengebracht wurde und sie die Kosten für die Aktion übernimmt. An dieser Stelle nochmals grossen Dank!

Humor ist ein wichtiges Lebenselixier
Diese Erkenntnis hat den 2011 verstorbenen Dr. iur. Walter Pfister, Alt-Gerichtspräsident, bewogen, testamentarisch eine gemeinnützige Stiftung zu verfügen, die sich dem Humor in allen Kulturbereichen widmen und ihn fördern soll.    besagt die Stiftungs-Webseite

Wenn ich schon am Danken bin:
Danke Birgitta Schermbach, Danke (Name), Danke Patrizia Cavelti, Danke Alex Huser.

Wir sehen uns am 30. Mai ’26!

Jetzt weisst Du alles, was ich zur Zeit zum Projekt „Lächeln und angelächelt werden“ zu erzählen habe. Erleben musst Du es selber; wir sehen uns am 30. Mai ’26!

Wenn Du Dich jetzt weiter in die Materie vertiefen willst

– hier kannst Du Dich verlieren:

 

1. Wissenschaftliches Begleitpapier von Prof. Willibald Ruch   Download

2. Soziales Lächeln & Duchenne‑Lächeln

Ekman, P., & Friesen, W. V. (1982)
Facial Action Coding System: A Technique for the Measurement of Facial Movement.
FACS_Manual.pdf
Klassische Grundlage für die Analyse von Mimik und dem Unterschied zwischen echtem (Duchenne‑) und posiertem sozialem Lächeln.

Ekman, P., Davidson, R. J., & Friesen, W. V. (1990)
The Duchenne Smile: Emotional Expression and Brain Physiology.
Journal of Personality and Social Psychology
Studie zur Unterscheidung von enjoyment‑Smiles (Duchenne) und sozialen, nicht‑Duchenne‑Lächeln.

Yoshikawa, S., et al. (2011)
Smiles with or without the Duchenne marker: The role of context.
psycnet
Moderne Studie, wie Kontext die Wahrnehmung von „echten“ vs. sozialen Lächeln beeinflusst.

3. Ambiguitätstoleranz & Mehrdeutigkeit

Frenkel‑Brunswik, E. (1949)
Personality dynamics and the process of perceiving.
In: Psychology, a study of a science (Vol. 3). Wiley.
Pionierarbeit zur Ambiguitätstoleranz; klassischer Text (ISBN‑Literatur, kein offener PDF)

Zhang, L., & Stapinski, L. A.
Auditory and emotional processing of ambiguity: A review.
Frontiers in Psychology, 5, 1343.
Neuere, offene Übersicht über kognitive und emotionale Verarbeitung von Ambiguität.

4. Emotionale Ansteckung (Emotional Contagion)

Hatfield, E., Cacioppo, J. T., & Rapson, R. L. (1993)
Emotional Contagion.
Current Directions in Psychological Science, 2(3), 96–99.
Kernwerk zur Theorie der emotionalen Ansteckung; kostenlos verfügbarer PDF‑Text.

Hatfield, E., Cacioppo, J. T., & Rapson, R. L. (1994)
Emotional Contagion: Studies in Emotion and Social Interaction.
Cambridge University Press.
Monographie; wichtige Sammlung klassischer Befunde und Theorien.

Kramer, A. D. I., Guillory, J. E., & Hancock, J. T. (2014)
Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks.
PNAS, 111(24), 8788–8790.
Wichtige Studie zur emotionalen Ansteckung in sozialen Medien.

5. Gelotophobie (Angst, ausgelacht zu werden)

Ruch, W., & Proyer, R. T. (2008)
Gelotophobia: Fear of being laughed at and its impact.
In: The Sense of Humor: Explorations of a Personality Characteristic (R. Ruch, ed.). de Gruyter.
Einführung des Konstrukts Gelotophobie; zentraler Überblicksartikel.

Proyer, R. T., Platt, T., & Ruch, W. (2010)
Testing hypotheses about the relationship of the fear of being laughed at to joy and other positive emotions.
Humor: International Journal of Humor Research, 23(1), 1–18.
Klärt die emotionale Topographie von Gelotophobie.

Universität Graz, uniPUB (Dissertationen)
Experimentelle Validierung des Gelotophobie‑Konstrukts (2010)
Die kognitive Betrachtung der Gelotophobie hinsichtlich Mehrdeutigkeit von Gelächter
Frei zugängliche, deutschsprachige Arbeiten zu Gelotophobie, Ambiguität des Lachens und experimentellen Designs.

 

 

 

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