Der ig-Nobelpreis

Der ig-Nobelpreis

Wenn Wissenschaft Lachen und Denken triggert

Es schwebt ein Frosch gar schwerelos…
Schwerelos!  Nicht in einer Raumkapsel, sondern hier auf der Erde.

Es gibt Orte auf der Welt, wo besonders viele seeehr alte Menschen leben.
Ihr Alter verdanken viele der Schluderei auf dem Amt.

Eine Katze sitzt auf dem Rücken einer Kuh und die Kuh verspritzt Milch.
Weil neben der Katze eine Papiertüte mit Knall zum Zerplatzen gebracht wurde.

Der Frosch war vorher in die Bohrung eines sehr sehr starken Elektromagneten gesetzt worden.
«Durch das starke Magnetfeld wurde der Frosch, der hauptsächlich aus Wasser besteht, diamagnetisch. Das bedeutet, er erzeugte ein schwaches entgegengesetztes Magnetfeld.
Die abstossende Kraft dieses induzierten Magnetfeldes war stark genug, um die Schwerkraft auszugleichen und den Frosch schweben zu lassen.»
(Der Frosch überstand das Experiment unbeschadet und der Forscher wurde preisgekrönt.)

Auch die Sache mit den seeehr alten Menschen und die milchverspritzende Kuh waren Gegenstände der Forschung. Ausführliche wissenschaftliche Studien geben darüber Auskunft und die Arbeiten fanden grosse Beachtung.

Der ig-Nobelpreis

ist die wohl bemerkenswerteste Auszeichnung in der Welt der Wissenschaft.

Der Wettbewerb war vom 1991 vom Wissenschaftsjournalisten Marc Abrahams initiiert worden, Gründer der Zeitschrift “Annals of Improbable Research”.

Das Magazin verleiht seither jährlich die ig-Nobelpreise, traditionell im Herbst – kurz vor der Bekanntgabe der eigentlichen Nobelpreise.

«Ig-Nobelpreis» ist ein Wortspiel mit dem englischen Begriff «ignoble» (unwürdig).

Unwürdig?

Die Forschungsarbeiten «sollen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen«.

Der Ig-Nobelpreis stellt nicht die Qualität der Forschung in Frage. Viele der ausgezeichneten Arbeiten sind seriöse, von Fachleuten begutachtete wissenschaftliche Studien, die sich durch ihre Originalität und ihren unkonventionellen Ansatz auszeichnen.

Der Anspruch:

  • Das Ungewöhnliche und Fantasievolle in der Forschung will gefeiert werden
  • Das öffentliche Interesse an Wissenschaft, Medizin und Technologie ist zu wecken
  • Beweisen: Scheinbar absurde Forschungsfragen können zu wichtigen Erkenntnissen führen.

 Viele Ig-Nobelpreisträger betonen, dass der Preis ihrer Karriere geholfen und ihnen ermöglicht hat, ihre Forschung einem breiteren Publikum zu präsentieren. Der Preis habe zu mehr Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Gemeinschaft geführt.

Einige ig-Gewinner*innen krallten sich später den echten Nobelpreis oder wurden zumindest in der wissenschaftlichen Gemeinschaft „für voll genommen“. So etwa:

Andre Geim
Er erhielt im Jahr 2000 den Ig-Nobelpreis für Physik für seine Experimente zum magnetischen Schweben eines Frosches. Zehn Jahre später wurde ihm der echte Nobelpreis für Physik für seine bahnbrechende Forschung zum zweidimensionalen Material Graphen verliehen.

Eleanor Maguire
Die Neurowissenschaftlerin Eleanor Maguire vom University College London zögerte zunächst, den Ig-Nobelpreis anzunehmen. Ihre Forschung über den vergrößerten Hippocampus bei Londoner Taxifahrern wurde jedoch später als wichtiger Beitrag zum Verständnis der Neuroplastizität anerkannt.

B.F. Skinner
Obwohl B.F. Skinner den Ig-Nobelpreis posthum für seine kuriose Idee erhielt, Tauben zur Steuerung von Raketen einzusetzen, gilt er als einer der einflussreichsten Psychologen des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeit zur operanten Konditionierung ist grundlegend für die moderne Verhaltensforschung.

Originelle Forschung in allen Wissenschaftszweigen

Bei der 34. Durchführung (2024 am MIT in Cambridge) wurden zu Beispiel folgende Arbeiten mit dem Preis ausgezeichnet:

Biologie
Fordyce Ely und William E. Petersen wurden posthum für ein Experiment aus den 1940er Jahren geehrt, bei dem sie eine Papiertüte neben einer Katze explodieren ließen, die auf dem Rücken einer Kuh stand, um zu erforschen, wie und wann Kühe ihre Milch verspritzen.

Physiologie
in Team japanischer und amerikanischer Wissenschaftler unter der Leitung von Takanori Takebe heimste den Preis ein für ihre Entdeckung, dass Mäuse, Ratten und Schweine durch den Anus atmen können.

 Chemie
Tess Heeremans, Antoine Deblais, Daniel Bonn und Sander Woutersen gewannen den Preis «für die Verwendung von Chromatographie zur Trennung von betrunkenen und nüchternen Würmern».

Physik
Dr. James Liao von der University of Florida wurde für seine Untersuchung der Schwimmfähigkeiten toter Forellen ausgezeichnet. In seiner Studie zeigte er, dass “die natürliche Flexibilität eines Forellenkadavers dazu führt, dass er häufig stromaufwärts stößt”

Medizin
Teams aus der Schweiz, Belgien und Deutschland demonstrierten, dass Placebos mit unangenehmen oder gar schmerzhaften Nebenwirkungen bei Patienten wirksamer sein können als solche ohne Nebenwirkungen.

„Frieden»
B.F. Skinner wurde posthum für «Experimente zur Untersuchung der Machbarkeit, lebende Tauben in Raketen unterzubringen, um deren Flugbahnen zu steuern» ausgezeichnet.

Demografie
Saul Justin Newman von der Universität Oxford erhielt den Preis «für Detektivarbeit zur Entdeckung, dass viele der für ihr langes Leben berühmten Menschen an Orten lebten, die eine mangelhafte Geburts- und Sterberegistrierung hatten».

Wahrscheinlichkeitsrechnung
František Bartoš, Eric-Jan Wagenmakers, Alexandra Sarafoglou, Henrik Godmann und ihre Teams wurden «für den Nachweis, sowohl in der Theorie als auch durch 350.757 Experimente, dass eine Münze beim Werfen dazu neigt, auf derselben Seite zu landen, auf der sie begonnen hat» geehrt.

Beispiele für frühere Arbeiten:

Literatur
Eric Martínez, Francis Mollica und Edward Gibson standen 2022 auf dem Podest weil sie analysiert hatten, warum juristische Dokumente unnötig schwer zu verstehen sind.

Psychologie
Chris Moulin untersuchte die Empfindungen von Menschen haben, wenn sie ein einzelnes Wort viele, viele Male wiederholen. – Gewinner 2023 in dieser Kategorie!

Angewandte Kardiologie
Eliska Prochazkova und ihr Team wurden 2022 dafür ausgezeichnet, dass sie Beweise dafür fanden, dass sich die Herzfrequenzen zweier Menschen synchronisieren wenn sie sich zum ersten Mal begegnen und sich zueinander hingezogen fühlen.

Die Zeremonie …

 … ist angemessen schräg angelegt. Wieder am Beispiel der 34. Verleihung:

Ablauf

Akkordeonisten geleiteten die Gäste zu ihren Plätzen. (Viele Gäste waren verkleidet, die Preisanwärter*innen mit Bezug zu ihrem Wissenschaftsgebiet / zu ihrer Arbeit.)

In der kurzen Eröffnungsrede  wurde mit Nachdruck auf das diesjährige Motto «Respektiere das Gesetz Murphys!» hingewiesen.

Dann wies eine Sicherheitsansage die Anwesenden u.a. darauf hin, • sich nicht anderen Gästen auf den Schoss zu setzen (es sei denn, man sei ein Kind), • keine Enten zu füttern, zu jagen oder zu essen, • Papierflieger umsichtig in den Raum zu werfen und • nie länger als 5 Minuten unter dem Tisch zu verschwinden.
(Die Ansage wurde von Kees Moeliker gemacht; er hatte 2003 den Biologie-ig-Nobelpreis gewonnen. Seine Forschungsarbeit: «In welcher Verbindung stehen bei Wildenten homosexuelles und nekrophiles Verhalten?»)

Die Willkomen-zu-der-Willkommensrede leitete dann die Willkommensrede ein, bevor man ein erstes Mal zu den Papierfliegern griff.

Traditionell wird viel mit Papierfliegern hantiert, so auch 2024. (Wie es zu diesem Brauch kam, habe ich nicht herausgefunden. «Ideen zum Fliegen bringen»?)
Im Verlauf der Zeremonie wird zwei Mal dazu aufgerufen, die Bühne mit Papierfliegern zu bewerfen. Der «Hüter des Besens» macht dann jeweils wieder sauber… (Dieses «Amt der Ehre» wird über viele Jahre von ein- und derselben Person innegehalten.)
Videoeinspielungen zeigen währenddessen Forschungsteams auf der ganzen Welt, wie sie Papierflieger Richtung Kamera werfen. 

Wieder sehr sehr kurze Reden und es wurden die Leute vorgestellt, die die Preise zu übergeben hatten. Allesamt waren sie echte Nobelpreisträger.

Die Preisübergaben wurden immer wieder von kurzen, merkwürdigen, mehr oder weniger lustigen Einlagen unterbrochen. Bei der Überreichung der Trophäe wurde dem Gewinner / der Gewinnerin stets die Hand absurd lange geschüttelt. Dauerte die Dankesrede länger als eine Minute, betrat ein kleines Mädchen die Bühne, das «mir ist langweilig!» schrie.

Zur Halbzeit der Zeremonie wurde eine, eigens für die 34. Durchführung kreiierte, Kurz-Oper mit dem Titel «The International Murphy’s Law Song Competition Contest Opera» uraufgeführt.

Auch ein Block mit recht besonderen Reden machte gute Stimmung: Einige Berühmtheiten aus Kunst und Wissenschaft mussten zuerst innert 24 Sekunden, dann in 7 Worten das Wesentliche über ihr Fachgebiet vortragen.

Der Akt der Übergabe

Die zehn ig-Nobel-Gewinner wurden während ihres Auftritts von einer Künstlerin (auf einer Schiefertafel, mit Kreide) karikiert und erhielten von den echten Nobelpreisträgern:

  • Einen nicht mehr gültigen 10-Trillion-Dollar-Schein aus Simbabwe und
  • eine transparente Box mit Gegenständen, die sich auf das diesjährige Thema «Murphy’s Law» bezogen.

Passend zum Thema «Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen» waren die Boxen unterschiedlich mangelhaft oder falsch bestückt, zudem waren sie «fast unmöglich zu öffnen».

Die Veranstaltung dauerte – mit allem Drumundran – rund zwei Stunden.

Um die Sache abzu runden: In einem amerikanischen Podcast ein Interview mit dem Initianten des ig-Nobelpreises, dem Wissenschaftsjournalisten Marc Abrahams.

Konflikte im Team? – Auf zur Schatzsuche!

Konflikte im Team? – Auf zur Schatzsuche!

Konflikte im Team – häufig und unangenehm.
Unterschiedliche Meinungen, Interessen und Bedürfnisse führen zu Spannungen, Streit und Unzufriedenheit. Wie damit umgehen?
Dieser Blogartikel geht auf die Hintergründe und Dynamiken von Konflikten ein, erwähnt einige Modelle und Lösungsansätze, bietet eine Anleitung um „die Sache“ selbst zur Hand zu nehmen.

read more
Der ig-Nobelpreis

Der ig-Nobelpreis

Der Ig-Nobelpreis ist die wohl bemerkenswerteste Auszeichnung in der Welt der Wissenschaft. Seit 1991 werden jährlich (kurz vor der Bekanntgabe der eigentlichen Nobelpreise) Forscher*innen verschiedener Kategorien geehrt. Das Ziel der Preise ist es, Arbeiten zu ehren, die «erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen».

read more
Kamala Harris und die Angst vor dem Lachen einer Frau

Kamala Harris und die Angst vor dem Lachen einer Frau

«Frauen, die in der Öffentlichkeit lachen, wurde immer schon ein Mangel an sozialer Zurück­haltung unterstellt oder gar Hysterie oder Wahnsinn. Rechts­konservative betonen, das Lachen von Harris habe mit ihrer psychologischen Verkommenheit zu tun oder mit einer Enthemmung, die mit Drogen­konsum zusammenhänge. Damit wollen sie im Unter­bewusstsein der Menschen eine ganz bestimmte Reaktion auslösen: Ekel.»

read more
Humor.   😐

Humor. 😐

Mitten in im komplexen, herausfordernden, tragischen Matsch dieser Welt glänzt der Humor. Er pulverisiert Grenzen, verbindet Menschen und stiftet gesunde, wohltuende Verwirrung. Er heilt, verletzt, hinterfragt, lässt Königen die Hose runter und rettet durch schwierige Zeiten.
Ein entspannter Kurztrip zu den Anfängen der Menschheit, zu den Göttern und Denkern der Antike, ins finstere Mittelalter und in die Studierstuben der Philosophen der Moderne.
Und die Antwort auf die Frage, warum der Humor Humor heisst.

read more
Von Hunden, Schweinen und Schweinehunden

Von Hunden, Schweinen und Schweinehunden

„Wir kreieren erst unsere Gewohnheiten und dann kreieren unsere Gewohnheiten uns.“
Das sagte vor ungefähr 350 Jahren John Dryden, ein englischer Dramatiker.

In diesem Artikel geht es um gute und schlechte Gewohnheiten – und um die Schwierigkeit, sie in die eine oder andere Richtung zu ändern.

Wenn Änderungsversuche scheitern, wird gerne der innere Schweinehund dafür verantwortlich gemacht.

Er bekommt darum hier die Aufmerksamkeit, die er verdient. Und ich verrate Dir, wie Du mit umgehen kannst.

read more
Führungsqualität so so la la

Führungsqualität so so la la

In der Schweiz möchte in absehbarer Zeit ein Viertel aller Angestellten die Stelle wechseln!
Die Arbeit gefällt zwar – aber dem Chef, der Chefin fehlt es an Führungsqualitäten.
In einer PWC-Studie werden insbesondere der Mangel an Fairness, menschlicher Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Ehrlichkeit beklagt.

read more

Francesco Muzio  •  Bern
Impressum  •  DSGVO

(fast) ALLES über Lachseminare

(fast) ALLES über Lachseminare

Lachseminare bewegen, beleben und sind gleichermassen lustig und informativ.
Sie bringen die Menschen einander näher, stärken den Team-Geist und den Zusammenhalt.
Gut integriert, verbessern sie die Lebensqualität im Alltag.
Sie lassen sich leicht an jedes beliebige Thema anpassen und passen auch in schwierige Situationen.

«Ein Lach-Seminar?

  Will ich das?»

Fragen Sie mich nicht! Selbstverständlich empfehle ich Ihnen, ein Lachseminar zu buchen. Ich empfehle es Ihnen wärmstens. Aber ich bin ja auch der Anbieter dieser wunderbaren Inputs. Ich will Sie und ihr Team beglücken.

Ich mache das übrigens schon seit 25 Jahren. Dass es mir nicht verleidet ist und ich meinen «Stoff» immer noch mit der gleichen Begeisterung rüberbringe, hat gute Gründe. Vielleicht verrate ich Ihnen mehr im Workshop. 😉

Okay, das reicht mir.

«Aber …»

Ist es nicht unanständig das Lachen zu zelebrieren, während sich allenthalben Katastrophen breit machen? Wenn ich mir die News anschaue, ist es mir nicht ums Lachen.

Lachen kann sehr paradox daherkommen. Grundsätzlich ist es Ausdruck von Lebendigkeit; es bejaht das Leben. Das Leben zu bejahen ohne das Schreckliche auszublenden, – da geht’s lang.

Mich kann man übrigens nicht buchen, um Schwierigkeiten im Team oder im Unternehmen wegzulachen (als Konfliktklärer und Krisencoach aber schon…)

Wenn’s schwierig ist, ist’s schwierig. Das ist aber noch lange kein Grund das Lachen zu massakrieren, denn es kann für die ersehnte Durchlüftung sorgen.

Was, wenn meine Mitarbeitenden sich für das Lachseminar etwa so sehr interessieren wie für die DIN-Vorgaben von Essiggurken?

Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Es ist mein Job, ihren Mitarbeitenden den Einstieg ins Thema zu verschaffen, die Neugierde hervorzukitzeln und sie zur Kooperation zu bewegen.

Wir sind zu beschäftigt, als dass wir Zeit zum Lachen hätten.

-> Das ist ein Witz, oder?!

Wir sind so oder so schon eine lustige Truppe; was brauchen wir da noch ein Lachseminar?

Ich will Euch nicht das Lachen beibringen! Das könnt Ihr bestimmt schon ganz gut; die einen mehr, die anderen weniger.
Wir erweitern das Verständnis für das Lachens, feiern es in speziellem Rahmen ab und nutzen seine Kraft.

Die Leute mögen während des Seminars ja abgehen wie eine Rakete. Was ist nachher? Haut die graue Realität dem inneren Clown eins auf den Deckel, und das war’s?

Ich gestalte meine Inputs so, dass alle ein bisschen was in den Alltag retten können. – Wenn sie das denn wollen…

Ich befürchte, ein Lachseminar ist etwa so wirksam wie wenn sich eine Schildkröte eine Clown-Nase auf den Panzer schnallt und dann auf gute Laune wartet.

Ich habe mit Clown-Nasen nichts am Hut und kenne mich damit nicht aus. Schildkröten kann man mit Feingefühl am Hals kraulen und dann kriegen sie gute Laune.

Lachen mag die beste Medizin sein, aber gute Medizin ist in der Regel teuer. Unser Budget ist dünn wie ein schlechter Witz.

Erzählen Sie mir Ihren schlechten Witz! Wir reden über Ihr Budget und meine Ansprüche – und wir werden uns finden.

Wird man mich als Chefin oder Chef noch ernst nehmen, wenn ich den Leuten ein Lachseminar vorsetze?

Aber sicher schon. Sie sind souverän genug, um zwischen den Rollen pendeln zu können. Als gute Chefin oder guter Chef* definieren Sie sich nicht ausschliesslich über Ihre Führungsrolle.

* Hier ein Blog-Artikel zum Thema guter Chef / gute Chefin.)

Genau das waren meine Bedenken.

«Wie kann ich mir das vorstellen?»

Neben «Was kostet das?» ist das die meistgestellte Frage.
Verständlich, denn vor dem Betreten von unbekanntem Gebiet ist Vorsicht geboten.

Stellen Sie sich vor: ich lade Sie in ein bhutanisches Restaurant zum Essen ein.
Ich erzähle Ihnen das wenige, was ich über die dortige Kultur weiss, schildere wie die Speisen daherkommen und dann hangeln wir uns durch die Menukarte.

Mit dem Bild, das Sie nun im Kopf haben, harren Sie der Dinge die da kommen werden.
Und dann kommt das Ema Datshi! Mitsamt Eze und Momos. Khabzey darf natürlich auch nicht fehlen.

Sie beginnen zu essen, sind begeistert – und es hat wenig mit dem zu tun, wie Sie es sich vorgestellt haben. Die Menukarte ist nicht das Menu.

Ein Lachseminar ist ein ganz besonderes Menu.

Dasselbe, wenn ich Ihnen ein Lachseminar beschreibe.
Ich verrate Ihnen wie es aufgebaut ist, welche Teile was bewirken und wie es ungefähr schmecken wird.
Ich erwähne, was es zu berücksichtigen gilt und schildere die optimalen Voraussetzungen.

Aber auch wenn ich mir mit den folgenden Erläuterungen viel Mühe gebe: Ein Lachseminar zu erleben ist etwas anderes als darüber zu lesen.

Vorbereitung

Sie haben mich vorgängig gebrieft.
Ich weiss, ob ich einem Kick-Off zu ein bisschen Schub verhelfen soll, ob eine kopflastige Schulung oder Konferenz aufgelockert sein will, ob vor allem der Teamgeist gestärkt werden soll, ob ein spassorientierter Team-Event gefragt ist, oder ob mein Input eher Vortrags-Charakter haben soll.

Ich weiss wie gross die Gruppe ist, die mich erwartet (ich arbeite mit jeder Gruppengrösse) und wie’s um die hierarchischen Verhältnisse steht.

Vielleicht haben Sie mich auf «eine spezielle Atmosphäre» vorbereitet (sprich: dass es in der Gruppe gerade kriselt). Oder Sie haben den Wunsch geäussert, dass ich Teile des Lachseminars mit dem Thema Ihres Anlasses verknüpfe.

Auch die Dauer der Aktion haben wir vereinbart; sie liegt wohl zwischen 45 und 120 Minuten.

(Oft werde ich übrigens völlig ahnungslosen Gruppen vorgesetzt. «Und jetzt kommen wir zu unserer Surprise!» – Da bin jeweils ganz froh, wenn ich das vorher weiss…)

Beziehung schaffen

Zu Beginn des Lachseminars haben die Teilnehmenden die Gelegenheit mich zu beschnuppern.

Das geschieht während ich mich vorstelle und meine Geschichte erzähle: Wie ich dazu gekommen bin, ein solch merkwürdiges Angebot zu entwickeln und damit durch die Lande zu tingeln, was die lehrreichen Anfängerfehler waren, welche aufschlussreichen Episoden mir aus den vielen Jahren als «Lachtrainer» geblieben sind etc.

In dieser Phase kommen die Leute hoffentlich zum Schluss, dass sie diesem Muzio vertrauen können und er sie ins Reich des Lachens führen darf.

Einverständnis einholen

Dann präsentiere ich kurz einige Erkenntnisse, die die Gelotologie (die Wissenschaft des Lachens) hervorgebracht hat und wie diese von den Fachleuten in der Medizin, Psychologie und Soziologie interpretiert und umgesetzt werden.

In dieser Phase richte ich mich an den Verstand der Zuhörenden.
Ein minimales Verständnis der Materie hilft, um mit dem weiteren Vorgehen einverstanden zu sein.

Action!

Mit dem weiteren Vorgehen ist der Action-Teil gemeint.

Ich leite einfache Übungen und Spiele an, die allen zugänglich sind.
Niemand muss befürchten, bloss gestellt zu werden.

Schritt für Schritt entwickeln wir zusammen die Dynamik, die am Schluss etwas Phänomenales ermöglicht: Zusammen grundlos (!) zu lachen.

(Natürlich lachen wir schon auf dem Weg dahin ziemlich viel; aber das ist eher eine Nebenerscheinung, wir müssen nichts Besonderes dafür tun.)

«Das war aber lecker!»

Im bhutanischen Restaurant lehnen Sie sich nun zurück, spülen den letzten Bissen mit einem Schluck Zumzin runter und bewerten das Erlebnis.

Nach dem Lachseminar nehmen Sie Ihr Wohlgefühl wahr und die lockere Stimmung in der Gruppe:

Dass Lachen direkt auf den Körper wirkt, dürfte klar sein. Schliesslich atmen wir dabei sehr viel intensiver und arbeiten hart; wir aktivieren dafür rund 200 Muskeln, was wiederum Stress abbaut.
(Bestimmt erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie vom Lachen geschüttelt wurden und wie Sie sich danach gefühlt haben!)

Die gute Stimmung unter den Teilnehmenden ist dem Umstand geschuldet, dass alle gemeinsam unbekanntes Gelände betreten – und sich und die anderen mal ganz anders wahrgenommen haben. Das stärkt den Teamgeist.

Niemand konnte in dieser Situation besser sein als die anderen – und auch nicht schlechter; alle fanden sich auf der gleichen Ebene wieder. Teambuilding mal anders.

Und ich werde zum x-ten Mal feststellen: «Es war wieder ganz anders!»
Denn jede Gruppe ist anders, und für jede neue Gruppe ist dieses Lachseminar «das erste Mal».
So ist auch für mich jedes Lachseminar das erste Mal.

Ein letztes Gläschen Zumzin und letzte Bemerkungen

Die Zeit, die ich für den Theorie-Teil bzw. für die Action aufwende, ist nicht immer gleich.
Es gibt Gruppen die nach vielen Informationen verlangen, andere wollen rasch in Bewegung gebracht werden, wieder andere fühlen sich im Anschluss angeregt, das Erlebte philosophisch zu reflektieren.

(Es beschäftigt sich nicht nur die die Medizin / Psychologie / Soziologie mit dem Lachen. Ausführliche Auseinandersetzungen finden sich auch in der Philosophie und in den Religionen.
-> Dazu finden Sie im Blog verschiedene Artikel.)

Veranstaltungsort und Infrastruktur

Lachseminare können so gut wie überall veranstaltet werden. Als Trainer landete ich in Alphütten, sterilen Seminarräumen, Kronleuchter-Säälen, Luftschutzbunkern, Schulzimmern, Seminarhotels, Beizen-Hinterzimmer, Uni-Hörsäälen und und…

Meine Lieblingsvoraussetzungen sind: • Ein Raum in dem man sich wohl fühlt, • genügend Platz damit sich alle gut bewegen können, • pro Person ein Stuhl, und • ein Beamer. (Letzterer ist aber nicht zwingend nötig.)

Jetzt sind Sie hoffentlich so gut im Bild, dass die Frage «Will ich das?» hinfällig geworden ist.
Ich freue mich, Sie kennen zu lernen!

Ich freue mich auch.

Konflikte im Team? – Auf zur Schatzsuche!

Konflikte im Team? – Auf zur Schatzsuche!

Konflikte im Team – häufig und unangenehm.
Unterschiedliche Meinungen, Interessen und Bedürfnisse führen zu Spannungen, Streit und Unzufriedenheit. Wie damit umgehen?
Dieser Blogartikel geht auf die Hintergründe und Dynamiken von Konflikten ein, erwähnt einige Modelle und Lösungsansätze, bietet eine Anleitung um „die Sache“ selbst zur Hand zu nehmen.

read more
Der ig-Nobelpreis

Der ig-Nobelpreis

Der Ig-Nobelpreis ist die wohl bemerkenswerteste Auszeichnung in der Welt der Wissenschaft. Seit 1991 werden jährlich (kurz vor der Bekanntgabe der eigentlichen Nobelpreise) Forscher*innen verschiedener Kategorien geehrt. Das Ziel der Preise ist es, Arbeiten zu ehren, die «erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen».

read more
Kamala Harris und die Angst vor dem Lachen einer Frau

Kamala Harris und die Angst vor dem Lachen einer Frau

«Frauen, die in der Öffentlichkeit lachen, wurde immer schon ein Mangel an sozialer Zurück­haltung unterstellt oder gar Hysterie oder Wahnsinn. Rechts­konservative betonen, das Lachen von Harris habe mit ihrer psychologischen Verkommenheit zu tun oder mit einer Enthemmung, die mit Drogen­konsum zusammenhänge. Damit wollen sie im Unter­bewusstsein der Menschen eine ganz bestimmte Reaktion auslösen: Ekel.»

read more
Humor.   😐

Humor. 😐

Mitten in im komplexen, herausfordernden, tragischen Matsch dieser Welt glänzt der Humor. Er pulverisiert Grenzen, verbindet Menschen und stiftet gesunde, wohltuende Verwirrung. Er heilt, verletzt, hinterfragt, lässt Königen die Hose runter und rettet durch schwierige Zeiten.
Ein entspannter Kurztrip zu den Anfängen der Menschheit, zu den Göttern und Denkern der Antike, ins finstere Mittelalter und in die Studierstuben der Philosophen der Moderne.
Und die Antwort auf die Frage, warum der Humor Humor heisst.

read more
Von Hunden, Schweinen und Schweinehunden

Von Hunden, Schweinen und Schweinehunden

„Wir kreieren erst unsere Gewohnheiten und dann kreieren unsere Gewohnheiten uns.“
Das sagte vor ungefähr 350 Jahren John Dryden, ein englischer Dramatiker.

In diesem Artikel geht es um gute und schlechte Gewohnheiten – und um die Schwierigkeit, sie in die eine oder andere Richtung zu ändern.

Wenn Änderungsversuche scheitern, wird gerne der innere Schweinehund dafür verantwortlich gemacht.

Er bekommt darum hier die Aufmerksamkeit, die er verdient. Und ich verrate Dir, wie Du mit umgehen kannst.

read more
Führungsqualität so so la la

Führungsqualität so so la la

In der Schweiz möchte in absehbarer Zeit ein Viertel aller Angestellten die Stelle wechseln!
Die Arbeit gefällt zwar – aber dem Chef, der Chefin fehlt es an Führungsqualitäten.
In einer PWC-Studie werden insbesondere der Mangel an Fairness, menschlicher Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Ehrlichkeit beklagt.

read more
Emotionsprofil

Emotionsprofil

Benutzerprofil, Bewegungsprofil, Kundenprofil, Täterprofil, Kompetenzprofil…
Von all dem haben Sie wohl schon gehört. Aber «Emotionsprofil»?!

read more